Die optimale Pflege für Ihr Instrument

Ein Instrument wird nicht nur gespielt, es muss gepflegt werden. Für alle Instrumente ist heute erwiesen, dass ein regelmäßiges Spielen den Klang verbessert: Er wird voller, runder, weicher und größer.

Wollen Sie lang an Ihrer Geige oder Bratsche Freude haben, so vermeiden Sie unbedingt große Feuchtigkeit, Hitze und v.a. Trockenheit und schnelle Temperaturwechsel. Das bedeutet, im feuchten Keller, im heißen Auto oder im Winter auf dem Wohnzimmerschrank sind Folgeschäden am Instrument sehr wahrscheinlich und kommen somit als Aufbewahrungsort nicht in Frage.

Nutzen Sie stets Ihren Geigenkasten - auch zu Hause

Pflege einer Violine/Geige: Geigenkasten

Ein guter Geigenkasten verhindert also nicht nur Schäden – er hilft Temperaturschwankungen auszugleichen und hat gleich Luftfeuchtigkeitsmesser (und Ausgleicher) inklusive.

Meine Grundregel ist: Die Geige ist beim Spielen in den Händen oder sie liegt im Geigenkasten. Niemals die Geige auf den Boden, einen Stuhl oder den Schrank legen.

Bewahren Sie auch Ihren Geigekasten an einem Ort, wo er so wenig wie möglich Temperaturschwankungen oder Feuchtigkeit ausgesetzt ist und kein Familienmitglied oder Gast darüber stolpern oder sie umfallen kann.

Kommen Sie im Winter von Draußen in den Raum (oder im Sommer von draußen in einen Raum mit Klimaanlage), so lassen Sie den Kasten zunächst sich aufwärmen/abkühlen. Öffnen Sie dann den Kasten und geben Sie dem Instrument auch noch einen Moment der Aklimatisierung, bevor Sie es stimmen und spielen. In einem solchen Fall lohnt sich auch immer noch einmal nach spätestens 15 min. nachzustimmen.

Pflegen Sie Ihren Lack nach jedem Üben und Spielen

Pflege einer Violine/Geige: Lack

Wenn wir unsere Geige berühren entstehen Fingerabdrücke. Mit dem Streichen setzt sich Kolofonium auf dem Lack der Geige und des Bogens ab. Werden diese nicht sofort nach dem Spielen entfernt, setzen sie sich im Lack fest und können nur noch abgeschliffen und neu lackiert werden.

Daher gilt: Sofort nach jedem Spiel Schweiß und Kolofonium sanft mit einem trockenen Tuch – ohne Wasser oder Reinigungsmittel – reinigen. Achtung: Bogen nicht vergessen. Beim Reinigen empfehle ich gleich zu prüfen: Ist der Lack abgespielt oder beschädigt?

So schützen Sie das empfindliche Holz vor Feuchtigkeit, Säuren der Haut und Abnutzung. Eine Violine klingt dann strahlender, teure Reinigungskosten entfallen weitgehend und vor allem können entstehende Risse rechtzeitig entdeckt werden.

Prüfen Sie den Steg nach dem Stimmen

Pflege einer Violine/Geige: Steg

Der Steg teilt und führt die Seiten. Somit ist er besonders wichtig für den Klang des Instrumentes. Er muss senkrecht und genau horizontal auf einer ganz bestimmten Stelle der Violine stehen. Vom Geigenbaumeister sollte er perfekt an die Deckenwölbung des Instruments angepasst sein.

Den Stand des Steges sollte vom Geiger nach dem Simmen und vor jedem Spielen kurz kontrolliert werden. Andernfalls beschädigt er die Decke aus weichem Fichtenholz, klingt nicht gut und bricht bald.

Prüfen Sie regelmäßig, ob der Stimmstock noch gerade sitzt

Pflege einer Violine/Geige: Stimmstock

Der Stimmstock wird im italienischen “Anima”, die “Seele” des Instrumentes genannt. Der kleine Fichtenstab hat großen Einfluß auf die Ansprache und den Klang.

Die “Stimme” wird vom Geigenbaumeister mithilfe eines Stimmsetzers aufgespießt und durch das F-Loch in den Korpus eingebracht. Die genaue Stellung wird von außen mit einer Stimmlehre kontroliert. Eine weitere Kontrolle, ob der Stimmstock senkrecht steht und ob er gut passt, kann vom Profi durch das Saitenhalterknopfloch begutachtet werden.

Für die heimische Pflege gilt zu beachten: Fällt der Stimmstock durch einen Schlag um, kann die Geige in sich zusammenbrechen. Sollte die Geige also herunter fallen oder die Stimme aus anderem Grund nicht mehr senkrecht auf ihrem Platz stehen, bitte nicht mehr auf der Geige spielen.

Mindestens zwei Mal pro Jahr sollten - trotz Feinstimmern - die Wirbel bewegt und neu justiert werden

Pflege einer Violine/Geige: Wirbel

Die Wirbel halten die Saiten und dienen dem Stimmen. Daher sollten alle Wirbel gut passen und beweg- und justierbar sein.

Grundsätzlich gilt: Auch wenn Sie Feinstimmer für einzelne (oder alle) Saiten nutzen, müssen Wirbel wenigstens zweimal im Jahr bewegt werden. Sonst können sie sich festsetzen und Risse im Wirbelkasten entstehen.

Mein Tipp: Am besten drehen Sie (mindestens) zu Beginn und zum Ende der Heizperiode die Feinstimmer fast ganz heraus und stimmen dann die Violine an den Wirbeln nach.

Wirbel, die sich nicht drehen oder nur in bestimmten Stellungen “einrasten”, sollten unbedingt geprüft werden. ACHTUNG! Nehmen Sie immer nur einen Wirbel aus dem Wirbelkasten zur Bearbeitung heraus. Wenn Sie die Saite wieder aufziehen überprüfen Sie, ob der Steg noch gerade steht. (Siehe auch oben)

Mit handelsüblicher Kernseife und Kreide können Sie Ihre Wirbel wieder zum Laufen bringen. Eine sehr gute Anleitung finden Sie hier: Wirbel wieder gangbar machen.

Den Bogen regelmäßig mit Kolofonium einreiben und warten lassen

Pflege einer Violine/Geige: Bogen und Bogenhaare

Der moderne Streichbogen besteht aus der Stange mit ihrer ausgeprägten Spitze, dem Bezug aus Rosshaar und dem Frosch als Spannelement für den Bezug. Ein Bogen sollte nur soweit gespannt sein, dass ein Bleistift spätestens im oberen Drittel “hängen” bleibt. Der Bogen sollte nach jedem Üben und Spielen (auch in den Pausen) entspannt werden (so weit lockern, dass die Haare locker fliegen, ohne dass der Frosch herausrutscht.

Die Spitze ist untrennbarer Bestandteil der Stange, direkt angearbeitet und nicht angesetzt. Die Spitze ist hohl und nimmt das vordere, zusammengeknotete Ende des Bezugs auf, die Befestigung übernimmt ein Holzkeil. Aus ästhetischen Gründen ist die untere Fläche der Spitze oft mit einer dünnen Schicht Ebenholz und Elfenbein – dem Plättchen – verziert. Dieses Plättchen am Kopf des Bogens, die Kopfplatte, muss stets rissfrei sein; andernfalls kann der Kopf auseinanderbrechen.

Als zweites sind die Bogenhaare zu pflegen: Schmutzige abgespielte Bogenhaare haben einen ähnlichen Effekt wie abgefahrene Autoreifen mit Schmierseife. Es macht keinen Spaß damit zu spielen.

Die Bogenhaare in der Nähe des Frosches können durch den Handschweiß stark verschmutzen. Gerade Kinderbögen werden durch Anfassen der Haare verfettet, so dass das Kolofonium nicht mehr richtig an den Haaren haftet. Insbesondere bei Pianopassagen greift der Bogen dann beim Spielen nicht mehr richtig.

Die Pferdehaare haben mikroskopisch kleine Schuppen, die in Zusammenhang mit dem Kolofonium die Saite in Schwingung versetzen. Ein Orchestermusiker spielt täglich etwa sechs Stunden und läßt seinen Bogen ein bis zwei mal im Jahr behaaren. Bei einem Kinderbogen kann es jedoch ebenso vorkommen, dass nach einem halben Jahr die Haare nicht mehr greifen. Hier sind jedoch nicht die abgenutzten Bogenhaare Schuld sondern oft die vom Handschweiß verfetteten Bogenhaare.

Hier macht es Sinn, die Bogenhaare gründlich mit Spiritus (zum Lösen des Kolofoniums) und anschließend mit lauwarmem Wasser und etwas Seife (zum Lösen der Fette) auszuwaschen. Wichtig ist, dass weder Spiritus noch Seife auf den Lack der Geige gelangen (siehe oben). Wie Sie am besten Bogenhaare waschen finden Sie in einer sehr guten Anleitung von Geigenbaumeister Adam: Geigenbogen pflege: Bogenhaare auswaschen

Regelmäßige Wartung und Pflege durch einen Geigenbaumeister

Laurel Rieping suzuki violin school, Stuttgart: Pflege der Violine (Geige) und Viola (Bratsche)

Bitte melden Sie sich bei mir, wenn Ihnen etwas komisch an Ihrem Instrument vorkommt. Gern berate und unterstütze ich Sie in allen Fragen rund um Ihre Geige oder Bratsche, den Bogen, das Etui und das notwendige Zubehör.


Helfen können Ihnen in allen Fällen auch versierte Geigenbaumeister. Eine neue oder neuwertig hergerichtete Violine aus dem Fachhandel bereitet viele Jahre lang Freude. Sie sollten aber ca. 9 € pro Monat zur Seite legen, um Verbrauchsmaterial wie beispielsweise neue Saiten oder neue Bogenhaare und für gegebenenfalls auftretende Reparaturen gerüstet zu sein.

Zuletzt möchte ich Ihnen noch einen regelmäßigen, idealerweise 1-2 jährlichen „Kundendienst” für Ihr Instrument ans Herz legen, um natürliche oder abnutzungsbedingte Veränderungen am Instrument rechtzeitig zu erkennen und ggf. beheben lassen zu können.